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Reportage

AAL-Technologien für Silver Surfer bei der Joseph-Stiftung

Die Joseph-Stiftung macht Technikmuffel zu Silver Surfern.
„I-stay@home“: lange selbstbestimmt in der eigenen Wohnung leben.
„I-stay@home“: lange selbstbestimmt in der eigenen Wohnung leben.

Von der Postwurfsendung zum Tablet Computer

Als ich am vergangenen Dienstag bei der Joseph-Stiftung in Bamberg anrief, war ich sehr gespannt auf das Gespräch. Ich war mit Julia Siebert, verantwortlich für die Kommunikation im Projekt „I-stay@home“ (sprich: „I stay at home“) verabredet. Es hat das Ziel, geeignete IT-gestützte Lösungen für Menschen, Wohnungsunternehmen sowie Städte und Gemeinden bereitzustellen, die ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung ermöglichen.

Das Projekt I-stay@home wird von der Europäischen Union über das Programm Interreg IV B unterstützt. Mich interessierte eine Frage brennend: „Wie kann man Menschen, die wenig bis gar nicht technikaffin sind, davon überzeugen, hochmoderne Technologien zu nutzen?“

„Es lag ein weiter Weg vor uns“, antwortet Frau Siebert, hörbar schmunzelnd. Und der begann ganz pragmatisch mit der Antwort auf die Frage: „Welcher ältere Mieter soll als Tester angesprochen werden?“ Dafür hatte die Joseph-Stiftung aus ihrem ERP-System die in Frage kommenden Mieter nach ihrem Alter selektiert. Die Mieter erhielten einen Brief, in dem das Unternehmen erklärte, was es ihnen anbieten möchte: „Länger, bequemer und sicherer in der eigenen Wohnung leben“ – das war das verlockende Versprechen.

Schreiben, Anrufen, Kaffee trinken

Nach dem Erhalt des Briefs wurden die Mieter vom Projektteam angerufen und konnten erste Fragen stellen. „Kostet das wirklich nichts?“, „Was wohl meine Kinder dazu sagen?“, „Ich wäre ja neugierig, ob ich damit fertig werde?“, waren typische erste Fragen, die beantwortet werden mussten.

Zu Anfang waren die Mieter sehr skeptisch. Derartige Geräte wollten sie nicht. Angst, damit nicht mehr fertig zu werden oder diesen Schnickschnack grundsätzlich nicht zu brauchen, waren die häufigsten Rückmeldungen. „In den Niederlanden war diese Skepsis viel weniger zu spüren“, ergänzt Julia Siebert, die in dem internationalen Projekt im regen Austausch mit den Kollegen aus den anderen Ländern steht.

Nachdem die Telefonate erledigt waren, hat die Joseph-Stiftung zu einer Informationsveranstaltung bei Kaffee und Kuchen eingeladen. Sie hatte das Ziel, mindestens 20 Mieter als Tester zu gewinnen. Und es gelang. Doch nicht durch Zufall. Auf der Veranstaltung stellte die Joseph-Stiftung eine Auswahl der möglichen technischen Geräte vor, die ideal auf ihre Mieter zugeschnitten waren. Die Geräte wurden aufgrund der Kriterien

  • passt zur Zielgruppe
  • einfach zu bedienen und
  • preisgünstig

ausgewählt.

Pakete schnüren – sanft an die Technik heranführen

Aus mehreren Dutzend Einzelkomponenten wurden vier unterschiedliche Pakete geschnürt:

  • Sicherheit
  • Gesundheit
  • Notruf
  • Hausautomation

Im persönlichen Gespräch wurden die Mieter vom Projekt-Team bei der Paketauswahl unterstützt. Jeder Mieter sollte dadurch sein optimales System erhalten. Dabei wurden wenn gewünscht auch die Angehörigen einbezogen. Bei den meisten Mietern hat dann aber schlussendlich die Neugier gesiegt, „das moderne Zeug“ einmal auszuprobieren.

Einfache Bedienung – unkomplizierte Einführung – persönliche Unterstützung

Nach der Paketauswahl wurde möglichst zeitnah geliefert. In wenigen Fällen wurde neben den Geräten auch der Internetanschluss und das W-LAN installiert. Jeder Mieter erhielt eine persönliche Einweisung in Tablet-PC, digitales Blutdruckmessgerät, Körperanalyse-Waage, Haus-Automation usw. Die Joseph-Stiftung hat außerdem zu jedem Gerät eine leicht verständliche Bedienungsanleitung erstellt. „Große Buchstaben, kein Technikkauderwelsch, lieber Bilder“, lautete dabei die Devise.

Erfolgreiches Konzept

Julia Siebert ist optimistisch bei der Beantwortung der Frage, ob es alles so geklappt hat, wie sie es sich gewünscht hat. „Bisher nutzen die meisten unserer Teilnehmer die Geräte gerne, haben die Berührungsängste verloren und möchten den Komfort oder das neugewonnene Sicherheitsgefühl nicht mehr missen. Am Ende des Projekts werden wir wissen, ob die Euphorie anhält.“

Sie sagt, eine ältere Dame sei allerdings ein regelrechter Silver Surfer geworden. Da muss der Tablet-PC so schnell starten wie ihr Fernseher. Statt die Zeitung am Kiosk zu holen, greift sie nun zum bequemen e-Paper, um die neuesten Nachrichten verfolgen zu können. „Es ist schön zu sehen, dass die AAL-Geräte unseren Mietern Nutzen bringen. Noch schöner aber ist es zu hören, wie die älteren Menschen einen Schritt weiter gehen und selbstständig nach mehr Funktionen suchen. Sie sind stolz, dass sie nun in Sachen „Digital Lifestyle“ mit Kindern und Enkeln mitreden können. Das hält jung!

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