Verwendung von Cookies

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.

Teaserbild
Reportage

Airbnb – Zukunft des Vermietens? (Teil 1)

Der Trend zum gemeinschaftlichen Teilen von privaten Unterkünften auf Zeit

Die Digitalisierung und das Internet ermöglichen jedem das Teilen und Tauschen von Produkten oder Leistungen mit Menschen aus aller Welt. Das führende Portal für das Teilen privater Unterkünfte auf Zeit ist Airbnb. Es ist eines der Vorzeigeunternehmen der „Share Economy“ – Trendthema der CeBIT 2013 und ein Begriff, der schon längst in den alltäglichen Sprachgebrauch übergegangen ist.

Immer wieder berichten Medien über „Wohnungsknappheit in deutschen Metropolen“. Gerade in attraktiven Stadtvierteln sind Mieten hoch und Wohnungen begrenzt. Sucht man jedoch über Airbnb nach einer Bleibe in einem Trendviertel in Hamburg, München oder Berlin, und wir reden hier über „ganze Unterkünfte“, präsentiert uns Airbnb teilweise über 1.000 Wohnmöglichkeiten.

Der Grundgedanke hinter Unternehmen wie Airbnb ist das „gemeinschaftliche Teilen“.

Die Frage ist jedoch, ob wir hier noch vom „Teilen“ sprechen. Wohnungseigentümer, die ihre Wohnräume in schicke Hotelzimmer verwandeln und diese für bis zu 2000€ pro Nacht vermieten, wollen vor allem eins: Geld verdienen.

Einige bieten sogar mehrere Wohnungen im selben Haus an. In diesem Fall sprechen wir schon längst nicht mehr vom „brüderlichen Teilen“ sondern von einem knallharten Gewerbe. Die Angebote umfassen sogar diverse Frühstücksangebote, Stadtführungen und einen Putzservice.

Über AirBnB können private Unterkünfte geteilt oder vermietet werden.
Über AirBnB können private Unterkünfte geteilt oder vermietet werden.

Eine interessante Rechtsprechung, die die Rechte der Vermieter einschränkt, gab es erst vor kurzem in Österreich. Dort entschied der Oberste Gerichtshof, dass eine Kurzzeit-Vermietung von Privatquartieren nicht ohne Zustimmung aller anderen Eigentümer eines Wohnhauses möglich ist. Im Extremfall kann eine wiederholte, kurzfristige Vermietung des Wohnungseigentums böse Folgen nach sich ziehen. Auch in diversen Bundesstaaten in Amerika werden eifrig neue Gesetze zu diesem Thema erlassen. Doch wie sieht es damit in Deutschland aus?

Ist das kurzfristige Vermieten der Wohnung in Deutschland erlaubt?

Wie in vielen anderen Bereichen der Digitalisierung läuft auch hier die Rechtsprechung der neuen Realität hinterher.

Zwar wurde erst vor kurzem das Gesetz über das Verbot von Zweckentfremdung von Wohnraum erlassen, doch die meisten Vermieter dürfte das wenig interessieren, zumal dieses Gesetz nur für Berlin geltend ist. Wohnungseigentümer aus anderen Bundesländern können mit ihrem Eigentum demnach verfahren, wie es ihnen lieb ist.

Solange man die deutschen Steuergesetze beachtet spricht nichts gegen eine kurzfristige Vermietung des Wohnungseigentums an Gäste aus aller Welt. Denn laut § 13 Abs. 1 des Wohnungseigentumsgesetzes kann jeder Wohnungseigentümer mit den im Sondereigentum stehenden Gebäudeteilen nach Belieben verfahren, insbesondere diese bewohnen, vermieten, verpachten oder in sonstiger Weise nutzen, und andere von Einwirkungen ausschließen.

Zusätzlich definiert das Grundgesetz (Artikel 14 Abs. 2), welches die gesamte Rechtsordnung durchdringt, dass Eigentum verpflichtet und dass sein Gebrauch zum Wohle der Allgemeinheit dienen sollte. Ein „Teilen“ der Eigentumswohnung, die womöglich sonst leer stehen würde, würde doch demnach dem Wohle der Allgemeinheit dienen, und so ähnlich sieht es auch der Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

Mehrere Wohnungseigentümer eines Wohnhauses hatten sich zusammen getan und einem anderen Wohnungseigentümer eine Nutzungsuntersagung präsentiert. Dieser hatte seine Wohnung lieber an Feriengäste vermietet anstatt selbst drin zu wohnen oder sie langfristig einem Mieter zu überlassen. Auch äußerten Sie, dass Sie sich durch häufig wechselnde Gäste bedroht fühlten. Der BGH erklärte den mehrheitlichen Beschluss für nichtig (Az. V ZR 72 / 09 ).

Die Wohnungseigentümer argumentierten damit, dass durch häufig wechselnde „Mieter“ das Gemeinschaftseigentum einer Wohnungseigentumsanlage stärker beansprucht werde als bei einem Dauerbewohner, doch das Gericht ließ das Argument nicht gelten, denn auch ein Dauerbewohner könnte das Gemeinschaftseigentum stark beanspruchen.

Ein Dauermieter sei kein Garant für ein sorgfältiges Umgehen mit dem Gemeinschaftseigentum.

Der BGH bezog sich bei seinem Beschluss auf Art. 14 GG und § 13 Abs. 1 WEG. Somit urteilte der BGH, dass die Vermietung einer Eigentumswohnung an Feriengäste Teil der zulässigen Wohnnutzung ist. Ferner könnten häufig wechselnde Gästebesuche einzelner Wohnungseigentümer ebenfalls das Sicherheitsgefühl in der Eigentumsanlage verringern.

Zum Schluss hieß es: „Wenn die Teilungserklärung nichts anderes bestimmt und die Wohnungseigentümer nichts anderes vereinbart haben, steht einer kurzfristigen Vermietung an Feriengäste nichts im Wege.

Digitalisierung beflügelt neue Geschäftsmodelle und die Marktphantasie

Schon längst hat Airbnb eine App entwickelt, mit der Gastgeber und Gast auch unterwegs schnell Buchungen durchführen können, dabei auch Informationen über die Auslastung der Wohnung sowie Rezensionen zur Wohnung und zum Vermieter erhalten.

Zwar veröffentlicht Airbnb keine Umsatzzahlen, allerdings wird der Unternehmenswert mittlerweile auf mehr als 10 Milliarden US-Dollar geschätzt. Damit überholt Airbnb sogar das Holdingunternehmen Wyndham Worldwide, welches rund 7300 Hotels weltweit besitzt und damit zu den größten Hotelketten der Welt gehört.

Was spricht also gegen eine Vermietung der Wohnung an Fremde aus aller Welt? Auf diese Weise verdienen Gastgeber nicht nur Geld, sondern haben auch die Möglichkeit multikulturelle Kontakte zu knüpfen.

Neue Artikel aus unserem Magazin