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Der (kreative) Mensch im Mittelpunkt der Veränderung

Digitale Transformation und gesellschaftlicher Wandel bedingen neue Anforderungen bei der Software-Entwicklung.

Ein neues Miteinander von Anbieter und Kunde ist die Folge. Der methodische Ansatz des Design Thinking – der kreativen und vor allem kooperativen Gestaltung von Konzepten, Produkten und Lösungen – bietet sich hierfür geradezu an. Und stellt den kreativ agierenden Menschen in den Mittelpunkt.

Der Wandel in Gesellschaft, Technologie und Arbeitswelt erfordert neue Ideen und Konzepte. Dies war auch Thema des Aareon Kongresses im Juni 2016. Zu den Keynote Speakern gehörte unter anderem Prof. Dr. Dr.-Ing. Jivka Ovtcharova, Leiterin des Instituts für Informations­management im Ingenieurwesen am Karlsruher Institut für Technologie.

Eines ihrer aktuellen Schwerpunktthemen ist die Anwendung sogenannter agiler Methoden, bei der kein starrer Projektplan verfolgt wird, sondern im Projektverlauf im Dialog der Beteiligten Anpassungen vorgenommen werden können. Es zeigt sich ganz allgemein: Die Zukunft verlangt hohe Agilität, um den tiefgreifenden Wandel in Unternehmen gestalten zu können – auch in kreativen Prozessen. Die zusätzlich mittlerweile gereifte Erkenntnis: Abteilungsdenken ist passé. Und der Kunde denkt mit.

Wie sich mit dem Ansatz des Design Thinking diese Anforderungen berücksichtigen lassen, erläuterte Prof. Ovtcharova in einem Interview im Rahmen des Aareon Kongresses – passenderweise geführt im Aareon DesignLab, das vor dem Kongresszentrum aufgestellt war. Beheimatet ist das neu etablierte Aareon DesignLab für kooperative Ideenfindungsprozesse in der Zentrale der Aareon AG in Mainz.

Interview DesignLab Aareon Kongress
Kai Heddergott interviewt Prof. Dr. Dr.-Ing. Jivka Ovtcharova im Aareon DesignLabFoto: Christian Klant

AareonMAG: Agile Methoden sind aktuell überall in der Diskussion. Was sind sie genau, welche Veränderungen bringen sie mit sich – und wie kann man Kunden damit neu begegnen?

Prof. Ovtcharova: Agile Methoden sind Methoden gerade in Software- und Produktentwicklung, bei denen man während eines Prozesses Anforderungen und Zielsetzung verändern kann, wenn das erforderlich scheint. Bislang werden in Entwicklungsprozessen eher lineare Methoden angewendet, bei denen man die einmal definierten Prozessphasen gewissermaßen „abarbeitet“.

Für Unternehmen ergeben sich aktuell auf verschiedenen Feldern Veränderungen. Diese werden nötig, weil sich die Umgebung permanent und immer schneller ändert. Man kann zum Beispiel damit rechnen, dass alle zwei bis fünf Jahre die Wissens- und Technologiegenerationen komplett wechseln. Das heißt, wir können gar nicht mit fest definierten Prozessen arbeiten, wir brauchen agile Prozesse. Das heißt auch, dass die sequenzielle Art und Weise, wie Prozesse durchgeführt werden, passé ist – sie ist nicht mehr Stand der Technik.

Was bedeutet nun Agilität für Unternehmen? Mit ihr passt man sich schnell an die Anforderungen, Wünsche und Vorstellungen der Kunden an. Dabei muss man auch wirklich zuhören und verstehen, was der Kunde möchte. Und der Kunde spricht nicht immer eine eindeutige Sprache. Er spricht eine emotionale Sprache und kommuniziert seine Wünsche auf informelle Weise. Es ist daher sehr wichtig, diese Wünsche zu erfassen und in Form von agilen Prozessen zu übersetzen. Deswegen empfehlen sich Einrichtungen, die das neue Denken und neue Methoden systematisch vermitteln, so wie das DesignLab der Aareon AG. Hier kann auf eine informelle, illustrative Weise, sehr emotional und auch intuitiv, ein Dialog mit dem Kunden geführt werden. Für mich zählt da ganz stark die Interaktion und die innere Verbindung zu dem Kunden. Wenn das nicht im ersten Schritt geschafft wird, dann kann man wirklich wenig erwarten von einem Kundendialog.

AareonMAG: Man kann es im Hintergrund hören: Das Aareon DesignLab steht hier vor dem Kongresshaus in Garmisch-Partenkirchen „mitten im Leben“. Ist das der richtige Ansatz: Menschen bei der Entwicklung im Alltag abholen?

Prof. Ovtcharova: Absolut richtig. Für mich ist es auch sehr wichtig, dass der Dialog mit dem Kunden in sogenannten Lebensräumen geführt wird. Es geht nicht um künstliche Labore, in denen man Ideen entwickelt, sondern darum, an die Menschen heranzukommen. Das, was wir Industrie-4.0-Revolution oder Internet of Things nennen und was als Veränderung unweigerlich auf uns zukommt, muss den Menschen in den Mittelpunkt setzen – aber nicht nur in Reden, sondern auch in der Umsetzung.

Die Prozesse müssen sich an den Menschen anpassen. Nur dann kann er sich mit seinen Fähigkeiten und Wünschen auch entfalten. Daher meine Bitte: Mehr „Geräusche“ auch von außen zulassen, erst dann kann eine Basis für einen natürlichen Austausch geschaffen werden und der Kunde kann das nachhaltige Vertrauen in den Anbieter von Lösungen gewinnen. Daher denke ich, dass es auf dem Aareon Kongress der richtige Ansatz war, das DesignLab „mitten im Leben“ aufzustellen.

Blick ins DesignLab auf dem Aareon Kongress
Ein Blick in das DesignLab-Iglu auf dem Aareon KongressFoto: Christian Klant

AareonMAG: Wir sitzen hier in diesem DesignLab, das ja das Ziel hat, mit kreativen Methoden Impulse für die gemeinsame Ideenfindung und Produktentwicklung zu liefern. Ist Kreativität in Unternehmen oft noch zu sehr an Optimierung orientiert?

Prof. Ovtcharova: Das ist vollkommen korrekt. Es fällt mir in diesem Moment auf, dass die Zettel hier an den Wänden des DesignLab schön geschriebene Texte zeigen, alles gerade ausgerichtet ist und schön nach Farben sortiert. Mir fehlt etwas: Es gibt keine Zeichnungen oder Symbole. Und es gibt keine Glasscheibe, auf die man direkt schreiben kann, was man denkt – so wie das im Silicon Valley praktiziert wird. Dort gibt es in allen Räumen Trennwände aus Glas, auf die man von beiden Seiten schreiben kann. Das muss nicht ordentlich sein, da können aufgeschriebene Gedanken auch schnell wieder weggewischt werden.

Aareon Kongress 2016: DesignLab Arbeitsmaterialien
Arbeitsmaterialien im DesignLab

Der Mensch braucht ganz einfache Mittel, um ungestört seine Gedanken fließen zu lassen. Und die fließen am besten, wenn er zeichnet. Das können Kinder doch schon ganz gut, die machen sich da weniger Gedanken und überbrücken Sprachbarrieren, wenn sie zeichnen. Die Sprache der Zeichen versteht jeder Mensch. Und Kreativität kommt durch Zeichnen zum Ausdruck. Ich wünsche mir, dass in DesignLabs mehr gezeichnet wird – die Gedanken wirklich frei fließen und ein bisschen Unordnung zugelassen wird.

Geben Sie den Menschen die Möglichkeit, dass sie ihre Gedanken wirklich zum Ausdruck bringen können. Lassen Sie sie machen und beobachten Sie sie dabei. Das ist eine ganz wunderbare Sache. Jeder Mensch ist einzigartig und daher kommen die Leute auf höchst unterschiedliche Gedanken – davon gibt es viel zu lernen, erst recht dann, wenn wir nicht in ein Korsett eingeengt sind, sondern wir die Möglichkeit haben, unsere Ideen entfalten zu können.

Geben Sie den Menschen also in schönen Räumen, wie dem Aareon DesignLab, die Möglichkeit, ja, die Freiheit zu denken. Ich wäre sehr gespannt darauf, was das ergibt.

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Film-Interview mit Prof. Dr. Dr.-Ing. Jivka Ovtcharova

Das Interview wurde auf dem Aareon Kongress 2016 geführt.

Verschaffen Sie sich einen Eindruck! https://www.youtube.com/watch?v=CzVRN8PN6Q4
Profil von Prof. Dr. Dr.-Ing. Jivka Ovtcharova

beim Karlsruher Institut für Technologie

https://www.imi.kit.edu/21_1780.php
Design Thinking – Was ist das eigentlich?

Wie dieser Denkansatz bei Aareon genutzt wird.

https://www.aareon.de/Produkte/Design_Thinking_Was_ist_das_eigentlich_.82596.html

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