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Feature

Digitale Trends 2020: Mehr als nur „technische Spielerei“

Digitale Lösungen verändern die Branche nachhaltig. Welche Trends sollte man kennen – wie neue Technologien einordnen?

Der Eindruck, der sich durch das Begriffs-Stakkato von Big Data, Künstliche Intelligenz und Virtual Reality ergab: Nichts bleibt wie es war, neue Technologien ersetzen traditionelle Lösungen in kürzester Zeit.

Wer sich aber die Mühe machte, einen zweiten Blick auf die angepriesenen Errungenschaften zu werfen, konnte schnell erkennen, dass die rein technische Betrachtung der digitalen Innovationen eher nur an der Oberfläche kratzt. Die wirklich nachhaltigen Veränderungen greifen weiter. Statt jedem Trend hinterherzulaufen, empfiehlt es sich daher, Antworten auf tieferliegende Fragen zu finden: Wo liegen die tatsächlichen Potenziale digitaler Technologien für die Betreiber, welche Veränderungen werden angestoßen und was haben die Nutzer am Ende des Tages davon?

AareonMAG: Digitale Trends Fenster
Foto: Franki ChamakiQuelle: Unsplash

Der Mensch im Mittelpunkt der technologischen Entwicklung

„Es sind nicht die Technologien an sich, die die Wohnungswirtschaft revolutionieren, sondern die Art und Weise, wie wir sie nutzen, um wirklichen Mehrwert zu erzeugen“. Mit dieser Perspektive liefert Dr. Imad Abdallah, seit April 2019 Mitglied des Vorstands und Chief Digital und Venture Officer der Aareon AG, eine erste Antwort. Die isolierte Betrachtung einzelner Lösungsansätze wird keine nachhaltigen Veränderungen herbeiführen können. Entscheidend ist die Betrachtung der Auswirkungen auf Wertschöpfung und Prozesse – bei klarer Konzentration auf Kundenbedürfnisse und weniger auf schiere technische Machbarkeit.

Virtual Reality beispielsweise darf nicht nur dazu dienen, mit einer VR-Brille lediglich Gebäudepläne dreidimensional wiederzugeben. So ein digitales Instrument sollte durch die virtuelle Begehbarkeit von Objekten die Frage klären, ob der Entwurf durch einen Mieter so wahrgenommen und vor allem erlebt wird, wie vom Architekten oder Planer gedacht. So lassen sich frühzeitig Fehlplanungen und später nötige Rückbauprozesse vermeiden. Die Integration digitaler Tools in alle Prozessstufen von Beginn an zeigt somit Potenziale der Effizienzsteigerung und Kostenersparnis auf. Die Zeit des Ausprobierens ist vorbei, jetzt gilt es, konkrete wirtschaftliche Vorteile durch den Einsatz zu erzielen.

AareonMAG: Digitale Trends VR
Foto: Insung YoonQuelle: Unsplash

Der Meta-Trend: Die smarte Nutzung von Daten und ihre Verknüpfung mit KI

„Digitale Plattformen mit einem hohen Automatisierungsgrad und künstlicher Intelligenz können helfen, die Nutzung von Immobilienanlagen und die Erlöse aus Immobilien zu optimieren“, so Abdallah weiter. Maschinelles Lernen als ein Teilbereich der Anwendung künstlicher Intelligenz (im Folgenden kurz „KI“) sorgt zum Beispiel für ein besseres Mieter-Matching mit hohem Wirkungsgrad – also dem optimalen Abgleich zwischen Angebot und Nachfrage und damit zwischen Erlösen und Kundenzufriedenheit. Lernen digitale Systeme nämlich kontinuierlich, was Mieter wünschen, welche Angebote bevorzugt werden und welches Mieterverhalten sich positiv auf Erträge von Immobilien auswirkt, ergibt sich hieraus eine für alle Beteiligten optimierte Nutzung einer Immobilie. Je besser Big-Data-Bestände ausgewertet werden, umso eher tragen smarte Algorithmen zur Wertschöpfung bei.

In der Immobilien- und Wohnungswirtschaft ist die Instandhaltung der zweitwichtigste Kostenfaktor. Die digital unterstützte Überwachung von Anlagen wie z. B. Aufzüge, Heizungen oder andere Systeme zur Haussteuerung informiert die Betroffenen besser und schneller. Nötig werdende Reparaturen und Investitionen werden früher erkannt und zuständige Mitarbeiter in der Wohnungswirtschaft können sie auf solider Datenbasis optimal überwachen und steuern. Auch das Miteinander der Akteure lässt sich damit verbessern: „Hier hilft zum Beispiel die Einrichtung eines Marktplatzes für Dienstleister, um die Zusammenarbeit zu automatisieren – sei es bei der Organisation und Durchführung nötiger Bestellungen oder beim anschließenden Rechnungsmanagement“, erläutert Imad Abdallah.

Alles wie von selbst? Daten und Lösungen helfen durch Eigenständigkeit

Der übergeordnete Trend heißt somit „Hyperautomation“. Damit ist die umfassende Automatisierung und Vernetzung vieler Teilprozesse gemeint. Um das zu ermöglichen, müssen nicht nur die kundenrelevanten Daten wie Mietverträge und Rechnungsverläufe oder die Beauftragungskapazitäten von Handwerkern plattformübergreifend vorliegen. Dazu kommen auch digitale Gebäudedaten, die durch Sensoren und von laufenden Anlagen selbst in Echtzeit bereitgestellt werden. Und das ist vielmehr eine künftige Notwendigkeit: nämlich die Integration standardisierter Daten in durchgängige digitale Systeme und Prozessketten.

Der Ansatz des Building Information Modelling (kurz BIM) zielt genau darauf ab, denn er ermöglicht die übergreifende Nutzung von Gebäudedaten, von der Gebäudeplanung über die Errichtung bis zur laufenden Instandhaltung. „Keine Automation ohne standardisierte Daten“ lautet die Devise. Erst dann können KI-basierte Lösungen wirklich Mehrwerte schaffen – ansonsten verliert man sich im permanenten Abgleich von Daten unterschiedlicher Herkunft.

AareonMAG: Digitale Trends Robbie
Foto: NeonbrandQuelle: Unsplash

Nicht nur Trend, sondern Frage des Überlebens: Die Fähigkeit zur Kollaboration mit anderen digitalen Treibern

In der Immobilienwirtschaft sind PropTechs, aber auch große Softwareanbieter wie Aareon wichtige Treiber der Digitalisierung. PropTechs können mit ihren neuen Ideen für maßgeschneiderte Lösungen und mit ihren agilen Produktions- und Arbeitsmethoden unterstützen und neuen Bedienkomfort der Anwendungen ermöglichen. Die systematische Kollaboration innovativer Keimzellen mit etablierten Branchengrößen sorgt für Zukunftsfähigkeit und Nutzerfokussierung. Die Fähigkeit, Trends frühzeitig zu erkennen und bedarfsgerecht mit kurzen „time-to-market“-Phasen umzusetzen, ergibt sich also aus der Bereitschaft, mit digitalen Vor- und Querdenkern zusammenzuarbeiten.

Für die PropTechs steht ein Thema ganz oben auf der Liste: Die praktische Anwendung der Blockchain-Technologie. Zunächst entwickelte dieser revolutionäre Ansatz, mit dem sich unabhängige, sichere und transparente Transaktionen realisieren lassen, Sichtbarkeit durch die Kryptowährung Bitcoin. Doch die Blockchain kann weit mehr als nur digitales Geld zu übermitteln.

„Wir erleben gerade, wie sich Blockchain in der Immobilienbranche verbreitet. Der Schwerpunkt liegt bei der Implementierung so genannter ‚Smart Contracts‘“, so Imad Abdallah zu diesem Trend. „Hier ergibt sich ein ganz neuer Treiber für die Umsetzung einer vertrauenswürdigen digitalen Zusammenarbeit zwischen der Immobilienbranche und unterschiedlichen Interessengruppen.“

Das Grundprinzip einer fälschungssicheren und von jedem einsehbaren digitalen Transaktionskette, macht diese Technologie gewissermaßen zu einer vertrauensbildenden Maßnahme für die digitale Transformation. Die Blockchain setzt sich gerade gewerkeübergreifend für Bezahlvorgänge und Projektmanagement in der Bau- und Immobilienbranche durch und wird so zu einem überlebenswichtigen Muss.

Es kommt also nicht von ungefähr, dass das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie mit dem Förderprojekt "BIMcontracts" ein weiteres Vorhaben unterstützt, das genau diese Prozesskette erproben soll. Im Mittelpunkt steht die Kombination des BIM-Ansatzes für die Digitalisierung von Gebäuden mit der Blockchain-Technologie für sichere und smarte Verträge sowie Transaktionen. Mit an Bord sind Bauunternehmungen, Fachkanzleien für Vertragsrecht, Lösungsanbieter und Forschungseinrichtungen aus Informatik.

Die Perspektive: Digitale Communities, die alle Akteure digital verbinden

Technologie bestimmt immer mehr unser Leben und die Beziehungen zwischen Unternehmen und Kunden. Hieraus ergibt sich auch für die Wohnungswirtschaft eine Vision: Die Digitalisierung von Informations- und Wissensströmen auch innerhalb der Wohnungsunternehmen und nicht nur in Bezug auf Kooperationspartner. Das schließt auch die digitale Interaktion und Dialoge mit den Kunden ein. Die erhöhten Anforderungen an Erreichbarkeit und moderne Services, die Mieter aus anderen Situationen kennen und schätzen, liefern die Vorlage für die digitalen Aufgaben der Wohnungsunternehmen.

Die Abfrage des Mietsaldos über Chatbots, Google Home oder Amazons Alexa sind keine Zukunftsmusik mehr – es müssen nur die richtigen Abläufe implementiert und mit den vorhandenen ERP- und Abrechnungssystemen gekoppelt werden. Und auch das Zusammenbringen von Mietern untereinander wird zu einer Aufgabe für Wohnungsunternehmen. Digitale Mieterplattformen, bei denen jüngere Mieter über Online-Pinnwände die Hilfegesuche älterer Nachbarn finden und bedienen können, eignen sich hervorragend auch als Instrument der Kundenbindung.

„Letztendlich sollten wir uns bei der digitalen Transformation darauf konzentrieren, dass der Mensch im Mittelpunkt technischer Ökosysteme steht – unterstützt durch Maschinen und nicht umgekehrt“, formuliert Dr. Imad Abdallah das sich aus all diesen Überlegungen ergebende Paradigma für die digitale Zukunft – über alle kurzfristigen Trends hinaus.

Die Megatrends 2020

Wertet man die Zukunftsprognosen und Trendberichte namhafter Beratungsunternehmen und Zukunftsinstitute für 2020 aus, so ergeben sich die folgenden übergeordneten Trendthemen:

  • Künstliche Intelligenz
    Quasi als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts wird mittlerweile die Künstliche Intelligenz (kurz KI) betrachtet. Obwohl von einer echten künstlichen Intelligenz noch nicht gesprochen werden kann, sorgen Unterdisziplinen wie Machine Learning (Verfahren, die eigenständig aus Anwendungsfällen verallgemeinerbare Regeln für die weitere Bearbeitung ableiten) und Deep Learning (Methoden, mit denen KI-Systeme sich selbst optimieren und Zusammenhänge in neue Kontexte führen) für schnelle Fortschritte. KI ist die Basis für die Automatisierung und Autonomisierung von Systemen und digitalen Lösungen und somit Grundlage für hocheffiziente Optimierungsprozesse.

  • Autonome Objekte
    Ganz gleich, ob zunächst auf Sensorik basierend oder in Ausbaustufen auch durch KI unterstützt: Experten sehen die Autonomisierung von Computern und digitalen Systemen ohne menschliches Zutun als klaren Trend. Sie interagieren selbstständig mit anderen Objekten oder Systemen und auch dem Menschen. Gerade in wohnungswirtschaftlichen Prozessketten zur Gebäudesteuerung und -verwaltung bietet dieser Trend ein erhebliches Potenzial.

  • Hyperautomation
    Die Automatisierung von Arbeitsprozessen wird durch den Einsatz digitaler Lösungen zum Teil erst ermöglicht und vor allem beschleunigt. Greifen verschiedene automatisierte Prozesse wie zum Beispiel die Abrechnung von Nebenkosten und Mieten oder die Analyse von Instandsetzungsdaten und die Beauftragung von Dienstleistern ineinander, wird die Basis für eine umfassende und übergreifende Automatisierung geschaffen. Werden Prozesse mehrheitlich durch automatische Systeme durchgeführt oder geschieht der hierauf basierende Veränderungsprozess in kurzer Zeit, spricht man von Hyperautomation.

  • Practical Blockchain
    Zunächst machte die Kryptowährung Bitcoin als Anwendungsfeld von sich reden, doch mittlerweile zeigt die Blockchain auch außerhalb der Finanzwirtschaft ihr Potenzial. Basis ist eine Datenbanktechnologie, bei der Kunden und Lieferanten einer Transaktion digital direkt miteinander verknüpft werden. Alle Folgetransaktionen werden in einer Kette (der „Chain“) für alle nachvollziehbar gespeichert und können jederzeit nachvollzogen werden. Die Entkoppelung von Institutionen wie zum Beispiel Banken und der hohe Grad der Transparenz machen den Ansatz zu einem vielversprechenden Instrument von vertraglichen und wirtschaftlichen Transaktionen im digitalen Zeitalter.

Der Rückblick zum Ausblick: Technologie-Themen im Aareon MAG


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