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Reportage

Haussteuerung per Knopfdruck

Wie Apple, Google und Co. in die Wohnung drängen
Bei Smart-Home-Lösungen funktioniert die Haussteuerung per Knopfdruck.
Bei Smart-Home-Lösungen funktioniert die Haussteuerung per Knopfdruck.

Smart Home auf dem Vormarsch!

Man kann dazu stehen, wie man will, aber eins ist sicher: Smart Home, die „intelligente“ Heimautomatisierung, ist auf dem Vormarsch. Gemeint sind damit kluge Geräte, die untereinander und mit dem Internet verbunden sind – und davon gibt es schon viele. Sie versprechen den Nutzern das Leben einfacher zu machen.

Das Smartphone ist die Zentrale, über die sich die vielen Optionen zur Überwachung von Räumen, Verbräuchen, Verhalten und vielem mehr steuern lassen. Dem Nutzer stehen außerdem in der Regel viele Auswertungen zur Verfügung, die ihm helfen sollen, seine Verbrauchs- oder Nutzungsgewohnheiten zu seinem ökonomischen Vorteil zu verändern oder zum Beispiel seine Sicherheitsbedürfnisse zu erfüllen.

Big Player sehen riesigen Markt

Die Experimentierphase ist vorbei – längst haben auch die großen IT-Unternehmen den Zukunftsmarkt für sich entdeckt und wollen ihre Lösungen als Standard etablieren.

So will Google diesen neuen Markt erobern und gab gerade erst 3,2 Milliarden Dollar für das Start-Up-Unternehmen Nest Labs Inc. aus. Die Firma Nest stellt intelligente Rauchmelder und Raumthermostate her und hat vergangene Woche sein Produktangebot mit der Übernahme von Dropcam erweitert, dem Hersteller von in Amerika sehr populären, kleinen Überwachungskameras für den Privatgebrauch.

Die Geräte sind lernfähig und passen ihre Steuerungsparameter anhand der gewählten Einstellungen an die Gewohnheiten ihres Benutzers an. Auch das Unternehmen Apple gab auf der diesjährigen WWDC (Worldwide Developers Conference) bekannt, dass es in den Smart-Home-Bereich vorstoßen will.

Vorgestellt wurde das Betriebssystem iOS 8, das zwei neue wesentliche Komponenten enthält, mit denen der einfache Austausch mit „smarten“ Sensoren schon auf Systemebene möglich wird. Das so genannte HealthKit bewacht die Körperfunktionen des Nutzers, während HomeKit die Fernsteuerung der Smart-Home-Geräte übernimmt. Als eines der ersten Unternehmen hat Phillips bereits angekündigt, die in iOS 8 steckenden Bausteine zu unterstützen.

Apples Initiative dient dazu, allen Entwicklern eine ganze Palette an integrierten Systemfunktionen für Smart-Home- und Gesundheitsanwendungen bereitzustellen – bislang musste für einzeln operierende Apps jeweils aufs Neue eine Lösung für die Datenerfassung und den Datenfluss entwickelt werden. Die etablierten Player der Branche reagieren auf dieses Engagement.

Honeywell, seit über 100 Jahren Anbieter von Heizungslösungen und einer der größten Konzerne weltweit, reagiert auf die Smart-Home-Entwicklung und stellte vor einigen Tagen seine Lösung „Honeywell Lyric“ vor, um auch weiterhin in diesem Markt gut aufgestellt zu sein.

Standards setzen

Noch sind wegen fehlender Standards und unterschiedlicher nationaler Gewohnheiten der Konsumenten beziehungsweise Mieter nicht alle Lösungen in allen Staaten zu nutzen. Das stylische Nest-Thermostat ist beispielsweise besonders an amerikanische Bedürfnisse angepasst. Aber für die Branche geht es vor allem darum, übergreifende Standards zu setzen. Auch in Deutschland ist ein Wettlauf hierum längst entbrannt. Bei der Standardisierung geht es um einheitliche Datenformate, die eine Verknüpfung unterschiedlicher Anwendungen von verschiedenen Herstellern ermöglichen.

Wer hier im Wortsinn Standards setzt, denen andere folgen, wird das Marktgeschehen erheblich mitbestimmen können.

Konkret geht es darum, ob eine intelligente Steckdose, die sich über das Telefon oder die Fritzbox programmieren lässt, mit diversen Geräten verknüpft werden kann und außerdem zum Beispiel noch den Energieverbrauch angeschlossener Geräte misst. Das können Produkte wie Cubesensors oder Netatmo sein, die die Luftqualität, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, den Lärmpegel, die Helligkeit etc. messen oder ein Türschloss von Kwikset. All diese Geräte lassen sich schon jetzt mit dem Smartphone per Knopfdruck steuern und sind in Deutschland direkt nutzbar. Was aussteht, ist die nahtlose Kombination dieser unterschiedlichen Angebote.

Tado, ein Smart-Home-Anbieter aus München, lässt den Mieter oder Eigentümer einer Wohnung schon heute smart die Heizungsanlagen in Einfamilienhäusern und Wohnungen mit Gasetagenheizung steuern. Dazu kooperiert das Unternehmen mit den etablierten Heizungsstellern in Deutschland und arbeitet am Ausbau der Lösung für Wohnungen mit Zentralheizung oder Fernwärmeversorgung. Zur Steuerung der Anlagen wird er ab Herbst auch Apples HomeKit unterstützen.

Und auch hierzulande versuchen Großunternehmen den Trend für sich zu nutzen und fordern die etablierten Anbieter heraus. Die Deutsche Telekom hat mit QIVICON ihre Lösung am Markt platziert, RWE, Bosch und viele andere wollen mit neuer Technik die Wohnungen und Haushaltsgeräte aufrüsten.

Smart-Home-Geräte sollen das Leben vereinfachen

Je mehr Smart-Home-Geräte im eigenen Zuhause integriert werden, umso höher ist die Anforderung an das Heimnetzwerk. Die eigenen vier Wände kann man sich dann wie ein kleines Unternehmen vorstellen, in dem Netzwerke, an denen kleine kluge Geräte hängen, von einem Administrator bedient und verwaltet werden.

Wie zuverlässig sind die neusten Smart-Home-Geräte wirklich? Erst vor kurzem musste die Firma Nest Labs ihre Rauchmelder vom Markt nehmen, da die Geräte offensichtlich doch (noch) nicht so „smart“ sind. Die Rauchmelder können nicht, wie ursprünglich gedacht, mit der „Winken-Funktion“ ausgeschaltet werden, die das Gerät für den Nutzer eigentlich einfacher bedienbar machen soll. Außerdem kam es oft zu Fehlalarmen zur nächtlichen Stunde. Nun wurde die Produktion der Rauchmelder erst einmal eingestellt und Nest Labs arbeitet an einem Software-Update.

Für die fachgerechte Bedienung dieser Geräte müssen sich die Verbraucher mit Apps, Tools und der richtigen Vernetzung zunächst auskennen. Wer sich in Sachen Technologie nicht weiterbildet, wird sein Heim also nur schwer automatisieren können. Aber kennt man sich nach einer Einarbeitungs- und Orientierungsphase mit den Anforderungen und Bedienkonzepten aus, kann die Funktionalität diverser Haushaltsgeräte durch den Einsatz von neuer Technologie maßgeblich erweitert werden.

Wer treibt die Entwicklung?

Jeder, der ein Smartphone besitzt und sich ein Smart-Home-Produkt anschafft, hat seine Wohnung oder sein Haus gewissermaßen in einem ersten Schritt bereits automatisiert. Ob der Wohnungs- beziehungsweise Hauseigentümer oder Vermieter damit einverstanden ist, spielt dabei zunächst keine Rolle. Mieter können die Geräte selbst anschaffen, anbringen und nutzen.

Etablierte Lieferanten der Immobilienwirtschaft passen ihre Geschäftsmodelle an die neuen Möglichkeiten und Trends an und sind bereit, diese als „Smart-Home“-Konzept auch auf die Probe zu stellen.

Anbieter von Informations- und Kommunikations-Technik sehen sich bereits gut aufgestellt und stehen in den Startlöchern.

Und selbst Anbieter von Angeboten rund um die Immobilienwirtschaft beobachten die Entwicklungen mit Argusaugen. Nachdem vor einem Jahr die erste vom Fahrverhalten abhängige Versicherung auf dem deutschen Markt etabliert wurde, werden sicher auch diese Unternehmen genau hinschauen und überlegen, ob Eigentümer- oder Mieterverhalten ein Faktor für Gebäude- und Hausratversicherungen oder andere Leistungen sein kann.

Smart-Home-Lösungen haben also das Potential, zu einem begünstigenden Element in Risikobetrachtungen zu werden – die resultierenden Einsparmöglichkeiten können dabei auch an den Mieter weitergegeben werden.

Viele interessante Fragen bleiben vorerst offen: Wer ist Nutzer, wer wird Treiber dieser Entwicklung und wem „gehört“ das Haus der Zukunft? Ist das Mieterverhalten ein Faktor für die Miete von morgen? Statten die Mieter die Wohnungen aus oder werden SmartMeter hier noch eine wichtige Rolle spielen? Was wissen die großen Player dann über Verbräuche und Eigentümer- beziehungsweise Mieterverhalten in den Wohnungen und Häusern? Und was können sie mit diesen personen- und verhaltensbezogenen Daten im Sinne einer Mehrwertgenerierung noch machen – und gestalten sie das Datenhandling verantwortungsvoll.

Die Digitalisierung ist schon lange in der Wohnungswirtschaft angekommen – die Entwicklung bleibt sowohl auf technischer, auf wirtschaftlicher als auch auf der Ebene der gesellschaftlichen Diskussion über die Handhabung großer Datenmengen spannend.

Weitere Informationen

Google kauft Nest

Zeit Online: Google kauft sich Eintritt ins Internet der Dinge http://www.zeit.de/news/2014-01/14/computer-google-erkauft-sich-eintritt-ins-internet-der-dinge-14130206

Phillips untersützt Bausteine von iOS 8

heise online: Tado und Philips wollen Apples HomeKit-Plattform nutzen http://www.heise.de/mac-and-i/meldung/Tado-und-Philips-wollen-Apples-HomeKit-Plattform-nutzen-2217010.html

Honeywell stellt „Honeywell Lyric“ vor

wired.co.uk: Honeywell unveils Lyric smart thermostat to rival Nest http://www.wired.co.uk/news/archive/2014-06/10/honeywell-lyric-thermostat

tado

Smart-Home-Anbieter aus München https://www.tado.com/de/

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