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Reportage

Die neue Macht der Mieter

Der Siegeszug der sozialen Medien beeinflussen unser Kommunikationsverhalten.

Im Zeitalter der sozialen Netzwerke hat sich die Informationsbeschaffung deutlich verändert: Wohnungen werden heutzutage online über Immobilienportale oder in Social Media Portalen gesucht, bei Mietrechtsfragen wenden sich die Mieter nicht mehr direkt an Anwälte oder den Mieterschutzbund. Stattdessen suchen sie Rat in Internet-Foren oder bei Experten, die ihre Dienste online anbieten.

Laut der Studie „Digitale Medien in der Immobilienvermittlung” aus dem Jahre 2011 nutzen 98 Prozent der Wohnungssuchenden Portale wie ImmobilienScout24 und Immonet.

Und auch die sozialen Medien gewinnen bei der Wohnungssuche eine messbar stärkere Bedeutung, denn bereits 15 Prozent der Befragten suchten bei Facebook und Co. nach Wohnraum.

Dies entspricht einem Anstieg von über 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Wohnungssuche in Facebook
Wohnungssuche in Facebook

Daher sollten auch Vermieter und Wohnbauunternehmen die neuen Medien stärker als bislang in den Mittelpunkt ihrer (digitalen) Kommunikation rücken. Welche spannenden Möglichkeiten sich durch den Einsatz von Facebook und Co. eröffnen, haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst.

Wohnungssuche gestern und heute

Noch vor ein paar Jahren war es für Wohnungssuchende das Normalste der Welt: Möglichst früh am Wochenende die örtliche Tageszeitung kaufen, ein ruhiges Café aufsuchen, mit einem Textmarker die interessantesten Immobilienangebote hervorheben und sich dann auf Besichtigungstour begeben. Wenn zentrale Angaben unverständlich bleiben oder die wichtigsten Informationen sogar fehlen, nutzt allerdings die beste Anzeige nichts…

Ein Mann liest Zeitung in der Kaffeebar

Spätestens bei der Besichtigung des Wohnobjektes ist die Enttäuschung dann oft groß: Die Beschreibung der Vermieter passt nicht zu dem, was sich Wohnungssuchende ausgemalt haben.

In Zeiten digitaler Immobilenmärkte hat sich die Situation komplett verändert.

Wohnungsanzeigen ohne Fotos finden kaum Beachtung und auch der Suchzeitpunkt beschränkt sich nicht mehr auf das Wochenende. Mieter erhalten bequem die passenden Angebote per E-Mail und können sich dank digitaler und mobiler Helferlein sogar via Mobiltelefon jederzeit ein ziemlich genaues Bild machen.

Die Immobiliensuche macht schließlich auch vor Facebook und Co. nicht halt. Neben einer Frage an das persönliche Netzwerk, das einem mit guten Hinweisen weiterhilft, ergibt sich für Facebook-Mitglieder die Chance, in zahlreichen Gruppen und auf passenden Facebook-Seiten fündig zu werden. So hat beispielsweise die Facebook-Seite „Wohnung frei in München” derzeit über 21.000 Fans und die Gruppe „Berliner Wohnungsbörse (Wohnung, Mitbewohner, WG gesucht Berlin)” bietet über 11.000 Mitgliedern Unterstützung bei der Wohnungssuche im Berliner Raum. Hier kommen die Nutzer respektive Mieter mit ehrlichen Aussagen zu Wort und bebildern den Zustand von Objekten ungeschminkt.

Vermieter, die ihre Wohnungen in „traditionellen“ Anzeigen allzu positiv darstellen möchten, sehen sich einer „kommunikativen Konkurrenz“ gegenübergestellt:

Sie spüren die neue Macht der Mieter.

Das Netz im Auge behalten…

Die Herausforderung für die Wohnungswirtschaft: Die neuen digitalen Angebots- und Informationsformen beschränken sich nicht auf das Suchen und Finden von Wohnraum. Es werden auch Erfahrungen und Meinungen ausgetauscht – zu Personen, zu Unternehmen, zu Gebäuden und Wohnvierteln. Damit sind viele Wohnungsunternehmen zum Teil unfreiwillig und ohne ihr Wissen in Beschreibungen und Wertungen vertreten. Ein Video vom Schimmelbefall in der Wohnung ist schnell gedreht und auf YouTube mit dem Namen des Wohnbauunternehmens veröffentlicht. Die Diskussionen lassen sich nicht stoppen, die Meinungsfreudigkeit (potenzieller) Mieter sucht sich ihre Bahn in der digitalen Sphäre.

In der problematischen Situation ergibt sich aber auch eine klare Chance: Unternehmen haben zumindest die Möglichkeit, auf Hinweise und Kritik zu reagieren, sich in die Dialoge einzubringen und Gesprächsverläufen Impulse zu verleihen.

Das schadet dem Image nicht, im Gegenteil: Wer sich als Vermieter den ohnehin stattfindenden Diskussionen stellt, kann unter dem Strich nur gewinnen. Es versteht sich von selbst, das idealer Weise nicht nur digitale Lippenbekenntnisse erfolgen sollten, sondern das Kundenfeedback ernsthaft für Verbesserung genutzt wird.

Um diese kommunikativen Potentiale für die eigene Imagepflege zu erschließen, ist es noch nicht einmal nötig, selber Inhalte bereitzustellen oder eigene Seiten zu betreiben. Es reicht schon „hinzuhören” und sich als Unternehmen gegebenenfalls an den passenden Kommunikationsorten einzubringen. Die Möglichkeit, Mietgesuche direkt zu beantworten, um eigene Mietobjekte gezielt an Interessenten zu vermitteln, kann dabei helfen, die Vermietungsquote zu erhöhen und Leerstände zu vermeiden.

…oder aktiv mitgestalten

Chancen bieten sich auch dann, wenn soziale Medien von Unternehmen aktiv eingesetzt werden. Die Facebook-Seite der WohnBauWestmünsterland eG hat mehr als 2.000 Fans, mit denen das Unternehmen kommuniziert und das eigene Angebot bewirbt.

Dass sich ein solcher Einsatz digitaler und sozialer Medien auch für eher kleine Unternehmungen konkret lohnen kann, wird am Beispiel von Maler Werner Deck deutlich, der die Ergebnisse seines Engagements in den sozialen Medien wie Facebook und Twitter veröffentlicht hat:

Innerhalb von 2 Jahren gelang es ihm den Anteil der 30- bis 60jährigen Kunden um 132 Prozent zu steigern. Die gleichzeitige Umsatzsteigerung von über 17 Prozent und weitere beeindruckende Ergebnisse wie

  • circa 170.000 Besuche im Monat auf Blog/Homepage
  • Platz 1 in der Google-Suche
  • 62 Prozent der Seiten-Besucher kommen über Social Media
  • Erwähnungen in Artikeln und Interviews über Strategie/Aufwand/Ergebnissesprechen

sprechen eine deutliche Sprache. Die Ergebnisse können Sie auf dem Blog von Maler Deck nachlesen.

Mietrechtsfragen online

Auch in Sachen Mietrechtsfragen findet ein kommunikativer Wandel statt: Nach wie vor sind der Mieterschutzbund oder der eigene Anwalt die erste Anlaufstelle für Mieter, wenn es um eine Rechtsberatung zu Mietangelegenheiten geht. Immer mehr Menschen nutzen aber auch die vielen Mietrechts-Foren um Antworten auf ihre dringendsten Rechtsfragen zu erhalten.

Sicherlich kann man über die Seriosität und Zuverlässigkeit so mancher Aussage in diesen Foren streiten, zumal nicht immer klar ist, wer einen da gerade berät und woher eine Information stammt. Dennoch ist es offensichtlich, dass ein Wandel hin zu mehr Onlineberatung eingesetzt hat.

Für Mieter wird es immer einfacher, an Informationen zu gelangen, mit denen sie sich gegenüber ihren Vermietern im Vorteil sehen – oder es tatsächlich auch sind.

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